Sehr geehrte Mitglieder, Freunde und Förderer des Tierschutzprojektes Ungarn,
vor einigen Wochen haben viele von Ihnen eine Antwortpostkarte vom Oberbürgermeister der Stadt Waiblingen [31 KB], Herrn Hesky, bekommen. Für diejenigen von Ihnen, die den Sachverhalt nicht näher kennen hier eine kurze Erklärung: Waiblingen ist die deutsche Partnerstadt der ungarischen Stadt Baja welche die Hundefängeranlage betreibt. Herr Hesky reagiert mit dieser Postkarte auf unseren Protestaufruf, mit dem wir Ihn gebeten haben Einfluss auf die Stadt Baja zu nehmen, bzw. ihn auf die untragbare Situation in der dortigen Hundefängeranlage hinwiesen. Etliche Tierfreunde haben mich in den letzten Wochen angesprochen und fragten nach, in wie weit der Inhalt der durch Hr. Hesky verschickten Antwortpostkarte zutrifft. Bewusst habe ich mir für diese Antwort länger Zeit genommen, denn ich wollte nicht Vermutungen äußern. In den letzten Wochen habe ich zu diesem Thema recherchiert und bin nach Baja gefahren, um mir ein Bild direkt vor Ort machen zu können. Verwunderlich finde ich es nach wie vor, dass Herr Hesky den direkten Kontakt mit mir meidet, und nur über die Medien oder Presse mit mir kommuniziert. Herr Hesky schreibt zum Beispiel:... ich hätte ihm nicht die Adresse der Hundefängeranlage Baja genannt. Diese Aussage ist nicht richtig. Richtig ist: Er hatte mich per Mail nach der Adresse gefragt. Ich habe ihm wahrheitsgemäß geantwortet, dass mir eine Adresse nicht bekannt ist. Zu Ihrem besseren Verständnis: Die Hundefängeranlage liegt weit außerhalb der Stadt Baja, und ist nur über einen schwer befahrbaren Feldweg zu erreichen. Es gibt dort kein Straßenschild. Sicherlich wird es eine Adresse geben, denn dort steht unter anderem ein kleines Gehöft und die Hundefängeranlage, doch mir wurde nie eine Adresse genannt.
Ich habe Herrn Hesky angeboten, ihn bei einem eventuellen Besuch zu begleiten und ich würde mich hierfür nach seinen Termin richten. Über die Waiblinger Presse musste ich dann erfahren, dass Herr Hesky Tierschützer für zu emotional hält, und daher auf meine Begleitung verzichtet hat.
Desweiteren schreibt Herr Hesky: Der Zweck der Station sei: die Möglichkeit zur Unterbringung herrenloser Hunde durch die umliegenden Städte und Gemeinden zu schaffen, da diese Tiere ggf. eine Gefahr für die Menschen darstellen. Ich will nicht abstreiten, dass es in Ungarn, ebenso wie bei uns in Deutschland, gelegentlich Beißunfälle gibt, bei denen Menschen verletzt werden. Diesen leidigen / zweifelhaften Versuch eine Daseinsberechtigung für eine solche Anlage zu schaffen, höre ich leider immer wieder.
Herr Hesky schließt sich dieser Argumentation leider an. In Ungarn gibt es über 80 Hundefängeranlagen, Baja ist eine davon. Hier werden, um es auf den Punkt zu bringen, nicht gewollte, schutzlose Tiere, mehr oder weniger brutal ermordet! Nicht mehr und nicht weniger. Das Betreiben eines Tierheimes, oder groß angelegte Kastrationsaktionen, sind den lokalen Politkern zu teuer. Wenn man sich einmal die Statistiken ansieht über die Beißunfälle in ganz Ungarn dann sind die, die durch Streunerhunde passieren, ein ganz geringer Bruchteil. Schaut man sich die ungarischen Statistiken zu den durch herrenlose Hunde /Straßenhunde verursachten Beißunfällen an, stellt man schnell fest, dass diese Hunde nur zu einem kleinen Teil an Beißvorfällen beteiligt sind. Am 15.12.2011 habe ich die Hundefängeranlage in Baja unangemeldet besucht. Da ich die Leute kenne wurde ich eingelassen und durfte mir alles ansehen. Wenige Monate vorher, wurde ein mir beauftragter deutscher Besucher, mit dem Hinweis, dass er den Besuch
vorher bei der Stadtverwaltung anzumelden habe, abgewiesen. Bei meinem Besuch waren 28 Hunde in der Anlage, einige davon schwer krank mit hohem Fieber. Unter anderem fand ich eine verletzte Schäferhundmischlingshündin vor. Der Hündin fehlte ein Auge und ein Ohr war verletzt. Die Verletzungen sahen wie typische Bisswunden aus. Das Tier war nicht tierärztlich versorgt. Offensichtlich gibt es nach wie vor keine funktionierende, organisierte ärztliche Versorgung der Tiere. Auch fand ich zwei ca. 6 Wochen alte Welpen vor, untergebracht in einem Betonverschlag ohne Tageslicht oder Heizung. Beide Tiere waren deutlich unterkühlt. In dem Lagerraum für tote Tiere sah ich zwei große Container, randvoll mit Hundekadavern. Die Stadt Baja hat, obwohl ich dies nachweislich mehrfach angeboten habe, bis zum heutigen Tag keinen Kontakt zu mir aufgenommen.
Auch unternimmt sie nichts um die Hunde zu vermitteln. Ich konnte keine ernsthaften Vermittungsabsichten seitens der Stadtverwaltung feststellen.
Herr Hesky beteuert in seinem Schreiben: dass auch ihm persönlich der Tierschutz und ein artgerechter Umgang mit den Hunden ein großes Anliegen ist ..
Das will ich nicht abstreiten. Aber leider unternimmt er nichts, um diese noch immer unhaltbare Situation in Baja zu beenden. Ich habe an diesem Tag 6 kranke Hunde mitnehmen können. Sie werden in unserem befreundeten Tierheim in Ungarn nun tierärztlich behandelt.
Herrn Hesky ist der artgerechte Umgang mit Hunden ein großes Anliegen. Aber was macht er?
Ihr
Wolfgang Stephanow
(Alle hier gezeigten Fotos wurden am 15.12.2011 in der Hundefängeranlage in Baja aufgenommen. An diesem Tag waren keine Hunde von denen eine Gefahr für Leib und Leben ausgeht hier untergebracht. Auch bei den, in der Vergangenheit unzähligen Besuchen dieser Anlage, sahen wir nur sehr, sehr selten Tiere die als gefährlich anzusehen waren.)