Westf. Rundschau 11. 2004
Pressemitteilung an die Westfälische Rundschau (hier der gedruckte Bericht)
Aus vielen Tropfen der Hilfsbereitschaft wurde eine Flut
Als der Tierschutzverein Olpe Ende des Jahres 2002 durch das Ehepaar Barbara und Wolfgang Stephanow von der Not der Tiere in Ungarn erfuhr, entschloß man sich, den dortigen Tierschützern im Tierheim Székesfehérvár des Tierschutzvereins Herosz durch eine Kooperation zu helfen. In Ungarn ist die Einstellung vieler Menschen zum Tierschutz, auch aufgrund der wirtschaftlichen Verhältnisse, noch nicht gewachsen, der Stellenwert des Tieres ist gering. "Es fehlt in Ungarn an allem, Hunde und Katzen sterben an Hunger und Kälte, die Tierschützer selbst arbeiten unter härtesten Bedingungen." erklärt Elke Stellbrink, erste Vorsitzende des Tierschutzvereins.
Zunächst gingen alle entbehrlichen Sach- und Futterspenden nach Ungarn, Medikamente und medizinisches Material wurden gezielt gesammelt. Man bemühte sich um Öffentlichkeitsarbeit, mit wachsendem Erfolg auch bei den heimischen Tierfreunden. Gleichzeitig pflegten Barbara und Wolfgang Stephanow mit über 57 Besuchen in den Jahren 2003 und 2004 den Kontakt zu den ungarischen Tierschützern.
Der wohl größte Erfolg ist die Einstellungsänderung der Kommune Baja zur - ehemaligen - dortigen Tötungsstation. Bis 2003 wurden in Baja aufgefundene Hunde einige Tage weggesperrt, dann die kleineren Tiere mangels anderer Mittel erschlagen, die größeren vergiftet, sofern sie nicht vorher verhungerten oder erfroren. Heute sorgt das Ehepaar Stephanow in Zusammenarbeit mit dem ungarischen Tierarzt Dr. Peter Sulyok dafür, dass alle eintreffenden Tiere medizinisch versorgt und geimpft werden und durch Futterspenden aus Deutschland überleben. Nach einer Quarantänezeit werden die Hunde dann ins Tierheim Székesfehérvár zur Vermittlung verbracht. Dieses stete Engagement bewirkte eine Einstellungsänderung bei der zuständigen Kommune in Baja, die nun in bescheidenem Umfang anfängt, in bauliche und hygienische Massnahmen für die ehemalige Tötungsstation zu investieren.
Auch dem Tierheim Székesfehérvár konnte durch die zahlreichen Spenden geholfen werden. Nicht nur über 9.600 Kilogramm Futter und Ausrüstung fanden ihren Weg nach Ungarn - Székesfehérvár verfügt jetzt über die dringend benötigte Welpenstation. Noch 2003 starben über 70 Prozent der Welpen im Tierheim aufgrund der schlechten Unterbringungsmöglichkeiten. Das Albert Schweitzer Tierheim Bonn und der Eifelhof spendeten einen Wohn-Container, der mit Hilfe einer Dame aus Bornheim mit 14 großen Zwingern eingerichtet wurde. Weitere Spenden sorgten für Klimaanlage, Heizung, Strom- und Wasseranschluss.
Als Mitte des Jahres kommunale Gelder in Székesfehérvár ausblieben und die Tiere im Tierheim ohne Futter waren, half eine Überweisung vom Spendenkonto. Dank vieler kleiner und größerer Spenden konnte man dem Tierheim Székesfehérvár ein mobiles Heizgerät für die Hundequarantäne, einen Dampfstrahler und vieles andere über Stockschlingen, Nahtmaterial, Medikamente, Dampfstrahler, Feuerlöscher bis hin zu Käfigen zur Verfügung stellen, Außenzwinger und einige Innenzwinger konnten endlich hygienisch gefliest werden, Kosten für Kastrationen und Operationen wurden übernommen.
Für die im vergangenen Jahr vom Tierheim Bonn gespendete Zwingeranlage entstand in diesem Jahr eine überdachte Anlage mit Bodenplatte und Klärgrube, so dass nach Aufbau der Zwingeranlange die aus Not und Platzmangel geborene Kettenhaltung von Hunden im Tierheim endet. Darüber hinaus konnte ein massives Blockhaus günstig erstanden werden, welches nach Klärung einer Baugenehmigung das alte, im Jahr 2003 völlig eingestürzte Katzenhaus ersetzen soll.
"Zunächst glaubten wir, unser bescheidenes Engagement könnte nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein, und die Not der Tiere kaum lindern. Heute wissen wir, dass aus vielen Tropfen der Hilfsbereitschaft eine Flut werden kann." fasst Elke Stellbrink die guten Neuigkeiten aus Ungarn zusammen. "Wir bitten alle Tierfreunde, diese Flut auch im nächsten Jahr nicht abreißen zu lassen, damit die Zuflucht Székesfehérvár weiterhin eine Zukunft hat."
Barbara und Wolfgang Stephanow stehen an den Nikolaustagen am 11. und 12. Dezember von 14 bis 18 Uhr im Tierheim Olpe allen Interessierten für Fragen und Informationen zur Verfügung. Sonderkonto des Tierschutzvereins Olpe für Székesfehérvar (Herosz), Ungarn: Dresdner Bank Gummersbach, BLZ 370 800 40, Konto 05 319 730 01.

